Bewerbungen durch Social Recruiting

Über Social Media zukünftige Mitarbeiter erreichen? Klingt verrückt, ist aber gar nicht so abwegig und nennt sich „Social Recruiting“.

Der Arbeitsmarkt

Im Allgemeinen lässt sich der Arbeitsmarkt in drei Cluster unterteilen. Auf der einen Seite stehen die aktiv Arbeitssuchenden, auf der anderen Seite die vorerst Wechselunwilligen. Letztere haben nicht die Absicht, ihren Arbeitgeber zu verlassen. Erstere dahingegen sind aktiv auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. Zwischen den Aktiven und den Wechselunwilligen stehen die sogenannten „Latent Wechselwilligen“. Hierbei handelt es sich um solche Personen, die zwar nicht zwangsläufig gewillt sind, ihren Arbeitgeber zu wechseln, sich dies aber tendenziell vorstellen könnten. Typischerweise richten sich Stellenanzeigen vor allem an aktiv Suchende: Social Recruiting erreicht darüber hinaus aber auch die latent Wechselwilligen – bspw. über Social Media Ads.

Grundsätzlich umfasst die Candidate Journey eines (potenziellen) Mitarbeiters sechs Schritte:

  • 1. Anziehung

  • 2. Information

  • 3. Bewerbung

  • 4. Auswahl

  • 5. Onboarding

  • 6. Bindung

Vor allem für die ersten beiden Phasen (Anziehung & Information) kann Social Media gut eingesetzt werden. Im ersten Schritt werden Nutzer Sozialer Medien auf das Unternehmen aufmerksam. Potenzielle Mitarbeitende sehen Beiträge und fühlen sich idealerweise von ebendiesen angesprochen. Ist dies der Fall, informieren sie sich über das entsprechende Unternehmen. Auch dies kann teilweise über Social Media stattfinden.

Wie erreiche ich potenzielle Bewerber:innen?

Im ersten Schritt solltest du deine Zielgruppe festlegen. Das heißt: Wen willst du konkret ansprechen? Wo sind diese Personen aktiv? Denn natürlich solltest du genau dort auftreten, wo du deine Zielgruppe vermutest.

So eignen sich TikTok und Instagram hauptsächlich für unterhaltsamen Content. Hiermit wird eine (eher) junge Zielgruppe angesprochen. Dazu gehören bspw. zukünftige Auszubildende sowie Berufseinsteiger. LinkedIn dahingegen richtet sich an Berufstätige und -erfahrene im Alter von 30 bis 49 Jahren. Tatsächlich nicht ungewöhnlich ist auch die Mitarbeiterakquise für Berufe ohne akademischen Hintergrund über Ebay Kleinanzeigen.

Bei der Wahl eines neuen Arbeitgebers greifen potenzielle Bewerber auch häufig auf Arbeitgeberportale zurück. Dazu gehören Plattformen wie kununu oder Google My Business. Die Bewertungen ehemaliger Mitarbeitende können Einfluss darauf haben, ob sich der Interessent tatsächlich auf eine Stelle in dem Unternehmen bewirbt.

Und Social Media funktioniert?

Andere Unternehmen machen es vor: Auch trockene Themen wie die Steuerberatung können über Social Media unterhaltsam und spannend kommuniziert werden. So verzeichnet bspw. der Account von steuerberaten.de auf Instagram knapp 3.500 Follower. Auf Facebook folgen steuerberaten.de etwa 1.800 Personen. In organischen Postings werden hier die Mitarbeitenden vorgestellt. Sowie fachliche Posts zu verschiedensten Themen. Follower können sich „to go“ Wissen rund um Steuern aneignen.

Mit fast 270.000 Abonnenten auf Instagram und 650.000 Followern auf TikTok ist auch Fabian Walter mit seinen wissenswerten Kurzvideos auf Social Media sehr erfolgreich. Als steuerfabi spricht er, das verrät schon der Name, über das Thema Steuern. Die Videos sind oftmals nur eine Minute lang. Steuerfabi nimmt dafür zwei Rollen ein und vermittelt so auf unterhaltsame Art wertvolles Wissen.

Die Handwerkskammer Bremen (mein.handwerk) veröffentlicht auf TikTok Videos von Azubis für Azubis. Trotz weniger Follower können viele Aufrufe und Likes generiert werden. Der Content ist lustig und locker. Dadurch spricht er zukünftige potenzielle Bewerber:innen an.

Mit Social Recruiting durchstarten

  • 1. Zielgruppe bestimmen

  • 2. Kanal festlegen

  • 3. Content erstellen und dabei in fachlichen und unterhaltsamen Kategorien denken

  • 4. Bewerber akquirieren 

Gut zu wissen: Im Allgemeinen funktioniert es sehr gut, Unternehmensvertreter vor die Kamera zu stellen. In Form von persönlichen Geschichten werden reale Einblicke hinter die Kulissen ermöglicht. Das Bild-/ und Videomaterial muss hierfür nicht zwangsläufig hochprofessionell sein. Authentische Einblicke in den Charakter sowie den Arbeitsalltag funktionieren meist am besten.